07.05.2020

Interview: Dr. Anette Schunder-Hartung, aHa-Kanzleiberatung

Die CLP - Interviewreihe geht in die zweite Runde: Nach dem erfolgreichen Auftakt mit über zehn Experten aus der Rechtsbranche, die ihre ganz persönlichen Erfolgstipps für eine erfolgreiche juristische Karriere verraten haben, werden diesmal zehn Juristen zu Wort kommen, die coachen - Legal Coaches, die aus sehr unterschiedlichen Gründen sich Zusatzkompetenzen mit einer professionellen Coachingausbildung erworben haben.

CLP hat diese Legal Coaches in sehr unterschiedlichen Positionen dazu befragt, was sie dazu bewogen hat und wie Coaching ihre berufliche Laufbahn maßgeblich beeinflusst hat. 

Frau Dr. Schunder-Hartung, dürfen wir Sie bitten, sich kurz selbst vorzustellen?

Unser Unternehmen aHa Strategische Geschäftsentwicklung hat sich aus dem Markt der Wirtschaftskanzleien heraus entwickelt – mit all der ihm innewohnenden Struktur und Solidität. Ich selbst bin von Haus aus Rechtsanwältin und bewege mich seit meinem Uniexamen vor über 30 Jahren in wechselnden Funktionen im Geschäftsleben.

Ursprünglich wollte ich Hochschullehrerin werden, hatte beim 2. Examen dann aber auch schon das zweite Kind. Deshalb habe ich mich im Wesentlichen für die Redakteurslaufbahn (in der juristischen NJW-Gruppe, später als Chefredakteurin bei Nomos, heute u. a. als Konzeptredakteurin des JuraCon-Jahrbuchs) und einen langjährigen Lehrauftrag im Vergaberecht entschieden.

Als der Jüngste das Abi hatte, habe ich mich endlich mit einem Büro selbstständig machen können, in dem wir Beratung und Coaching, Mediation und Sparring, Schulung und Moderation und sehr umfangreiche Networking-Formate anbieten. Mein jüngerer Sohn und mein Stiefsohn sind in unsere Fußstapfen getreten und haben jetzt auch ihr Examen gemacht. Der Große wird Neurologe.

Meine Hobbies? Ich bin gerne unterwegs, ich lese gerne, ich streife mit unserem Hund durch den Frankfurter Stadtwald, an dessen Rande wir wohnen. Und ich bin immer ein politischer Mensch gewesen, der ziemlich ungehalten auf soziale Ungerechtigkeiten reagiert. Deswegen engagiere ich mich auch als Ortsvereinsvorsitzende einer großen politischen Partei.

1. Wann haben Sie sich zum ersten Mal mit Coaching beschäftigt und warum? Haben Sie Coaching als Klient kennengelernt?

Als ich mich als Geschäftsentwicklerin selbstständig gemacht habe, hatte ich schon viele Berufsjahre als Redakteurin hinter mir. Hier wie dort ist es ganz zentral, „die Spielchen hinter den Spielchen zu erkennen“ – und diesen Prozess gehe ich jetzt noch einmal von einer anderen Seite an.

Tatsächlich meine ich, Sie können andere Menschen auf deren Weg nur sinnvoll begleiten, wenn Sie wirklich begreifen, was die tun und was sie dabei antreibt. Manchmal wissen das auch kluge Menschen nicht, weil sie sich selbst auch ganz geschickt etwas vormachen.

Coaching habe ich selbst nicht als Coachee erfahren. Ich tausche mich aber regelmäßig mit Kolleg*innen aus und lasse mich dabei auch durchaus in Frage stellen.

2. Was hat Sie daran besonders fasziniert? Worin sehen Sie gerade für Juristen den Mehrwert beim Coaching?

Coaching ist ein Kunsthandwerk mit ganz eigenen Standards, Verfahrensweisen und Methodensets. Grundlegendes Prinzip ist das vertrauliche Zweiergespräch, das dem Gegenüber Stolpersteine besser zu erkennen und zu überwinden hilft. Insoweit ist es der juristischen Beratung von der Struktur her gar nicht so unähnlich.

Und da Juristen Strukturmenschen sind, sind sie für die geordnete Vorgehensweise im Rahmen eines seriösen Coachings einschließlich seiner Transferhilfen wirklich empfänglich.

3. Wie setzen Sie Coaching heute in ihrer beruflichen und/oder privaten Situation ein? Wie und in welchem Umfang wird aus Ihrer Erfahrung Coaching heute bei Juristen eingesetzt?

Bei uns hängt das von der Ausgangssituation unserer Kunden ab, die manchmal an einem bestimmten Punkt ihrer Geschäftsentwicklung schlicht hängen bleiben, und dann schalten wir gezielt von Beratung auf Coaching um.

Andere Kundinnen oder Kunden fragen gezielt nach Coachingmaßnahmen, besonders in beruflichen Veränderungssituationen. Das sind dann oft Leute, die sich aus einer Kanzlei oder einem Unternehmen heraus selbstständig machen wollen.

Schließlich kommt es auch vor, dass ich einfach "unter der Hand" Coaching-Instrumente einsetze, beispielsweise das Pacing und Leading oder auch das Reframing.

Aus meiner Supervisionsrunde weiß ich, dass das auch andere Coaches so machen – ohne dass das Gegenüber das groß mitbekommt.

4. Ihr ganz persönlicher Erfolgstipp:

Ziehen Sie sich doch mal Joe Jackson’s album Body and Soul auf´s Smartphone! Das macht nicht nur wach, darauf ist auch der Track mit dem genialen Titel: You Can't Get What You Want (Till You Know What You Want). Wenn man sich das öfters auch selbst einmal klarmacht, worauf es einem wirklich ankommt, geht vieles leichter.

Vielen herzlichen Dank.

Lesen Sie hier die gesamte Interviewreihe inklusive der ersten Runde.

Lernen Sie hier weitere zehn Legal Coaches aus dem internationalen Umfeld kennen.

Hier geht´s zur Legal Coaching Ausbildung der CLP-Academy.

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