19.09.2022

TINAs ART&weise

Unser monatlicher Coaching-Impuls mit Kunst im Blog: Unsere Coach-Kollegin und Kunstexpertin Christina Ringe-Rathgen wird ausgewählte Bilder aus ihrem eigenen Werk sowie Bilder anderer bekannter und weniger bekannter Künstler präsentieren und sich dazu auf ihre Art ein paar Gedanken machen. Als add-on gibt es am Ende der Kunstreflexion, jeweils eine kurze auf das Thema abgestimmte Coaching-Einheit. Ein literarisch-philosophischer Kunstschmaus für Augen und Seele.

Und das Beste: an jedem letzten Donnerstag im Monat haben Sie Gelegenheit, eine inspirierende Mittagspause mit ihr persönlich zum Thema des Monats zu erleben!

Get inspired!

„Vertrauen auf Fähigkeiten verschiedenster Art ist wie ein Freibrief zum Leben.“

Carl Ludwig Schleich

Arzt, Chirurg, Dichter und Philosoph (1859 - 1922)

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Führung – was bedeutet das eigentlich?

Sich selbst führen - neudeutsch auch Egomanagement; andere Menschen führen; das Führen einer guten Beziehung oder eines Unternehmens; zum Ziel führen; einen Hund ausführen – mit oder ohne Leine; beim Malen das Führen des Pinsels. Der wahlweise ängstliche, empörte oder gar verärgerte Ausruf „Wo soll das alles nur hinführen?“. Und, nicht zuletzt, der Wunsch, ein gutes Leben zu führen. Viele weitere Arten der Führung könnten diese Reihe noch fortführen. Was fällt Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, denn noch so ein?

Oft machen wir uns wenig Gedanken über einen Begriff, den wir in unserem täglichen Sprachgebrauch ständig nutzen, erscheint er uns doch allzu selbstverständlich.

Was verstehen wir eigentlich unter Führung?

Wozu führen und was braucht es, um führen zu können?

Möglichst allgemein gehalten, lässt es sich auf folgende Formel bringen: „Führung heißt, Energie auszurichten und auf Dauer zu mehren.“

Und was bedeutet das jetzt genau?

Führen kann, wer die Vision eines Ziels hat und die Intention dieses Ziel in der Zukunft zu erreichen.

Als Malerin habe ich beides, bevor ich zum Pinsel greife, oder in meinem Fall zum Spachtel, mit dem ich normalerweise bevorzugt die Farbe auf die Leinwand bringe. In meinem Kopf entsteht ein Bild, das immer mehr Gestalt annimmt. Dieses Bild, das nicht unbedingt konkret sein muss, sondern auch in einem Gefühl bestehen kann, möchte ich zu Papier bringen. In dem Moment, wenn ich mich an die Arbeit mache und diesen Prozess der Umsetzung beginne, habe ich mich bereits gedanklich intensiv mit dem Thema beschäftigt, mich hineingefühlt und es für mich durchdrungen.

Ich habe also ein Bild von dem Zustand, den ich herstellen möchte und für den es sich lohnt mich anzustrengen.

Als nächstes folgt die Ausrichtung der Energie auf dieses Ziel.

Anders formuliert: Es ist festzustellen, welche Ressourcen oder Beteiligten gebraucht werden, um den angestrebten Soll-Zustand herbeizuführen. Im Fall des Malers ist das Papier oder Leinwand, Farben und benötigte Werkzeuge wie Pinsel, Spachtel oder weitere Hilfsmittel, eine Staffelei und natürlich der geeignete Ort, um das Bild zu malen. Dazu möglicherweise ein Modell oder eine andere Vorlage, abhängig vom Motiv, sofern das Bild nicht aus dem Kopf heraus entsteht.

In einem Unternehmenskontext kommen an dieser Stelle die Mitarbeiter ins Spiel, also alle Beteiligten, die an der Zielerreichung mitwirken können und sollen. Diese gilt es zu motivieren und auf das gemeinsame Ziel einzuschwören.

Wie geht das?

Der Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry hat es auf den Punkt gebracht: „Willst du mit jemandem ein Schiff bauen, so treibe ihn nicht zum Baumfällen an, sondern wecke in ihm die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer.“

Die Sehnsucht allein führt noch lange nicht ans Ziel. Sie ist Grundlage und Antrieb und damit notwendige Basis. Als nächstes folgt die Hardware und - wichtig - der aktive Einsatz aller Beteiligten. Das Baumfällen, die Vorbereitung der Werkzeuge, Aufgabenvergabe und Arbeitseinteilung folgen der zuvor entfachten Motivation, das definierte Ziel gemeinsam und mit vereinten Kräften zu erreichen.

Schließlich muss die Energie aktiviert und gemehrt werden Aktivieren und auch noch mehren - wie soll das gehen?

Hier kommt das Vertrauen ins Spiel, das Carl Ludwig Schleich, deutscher Chirurg und Schriftsteller und Erfinder der Regionalanästhesie, als Freibrief zum Leben bezeichnet. Und zwar das Vertrauen in sich selbst und die eigenen Fähigkeiten, aber ebenso in andere, in die Mitarbeiter, die Familienmitglieder, all jene Menschen, mit denen wir im Leben zu tun haben und auf deren Mitwirkung wir angewiesen sind, um gemeinsam angestrebte Ziele jedweder Art zu erreichen.

Als Malerin muss ich darauf vertrauen, dass ich in der Lage bin, die richtige Farbauswahl zu treffen und die Linien richtig zu führen. Ich darf nicht zaudern, sondern muss aktiv werden und daran glauben, dass ich die Fähigkeit und Energie besitze, das Bild in meinem Inneren auf der Leinwand entstehen zu lassen.

Als Chefin oder Abteilungsleiter muss ich alles daransetzen zu erkennen, welche besonderen Fähigkeiten und Qualitäten die Mitarbeiter an einem Projekt mitbringen. Diese gezielt zu nutzen, darauf zu vertrauen, dass jeder sein Bestes gibt, und jeden einzelnen darin zu bestärken, zu fordern und fördern, sich proaktiv nach seinen Möglichkeiten zu engagieren, das ist die Kunst guter Führung.

Führung im Coaching

All dies lässt sich auf das Coaching übertragen. Auch hier spielt das Thema Führung eine zentrale Rolle. Aufgabe eines Coachs ist es, den Coachee mit Hilfe gezielt eingesetzter Coachingtechniken zur für ihn besten Lösung zu begleiten und so zu seinem Ziel zu führen. Auch hier kommt die oben beschriebene Struktur erfolgreicher Führung zum Einsatz:

  1. Zunächst ist das Ziel zu definieren, das der Coachee im Rahmen seiner Problemstellung erreichen möchte.
  2. Dann gilt es herauszufinden, welche Motivationen den Coachee antreiben, welche Hemmnisse ihn möglicherweise hindern und welche Ressourcen ihm zur Verfügung stehen, die er zur Erreichung seines Ziels aktivieren kann.
  3. Schließlich arbeitet der Coachee mit Hilfe des Coachs heraus, welche Schritte er gehen kann und möchte, um sein Ziel zu erreichen oder ihm sukzessive näher zu kommen.

Die Tätigkeit des Coachs besteht in einer Hilfe zur Selbsthilfe auf dem Weg zur richtigen Lösung. Das Verhältnis zwischen Coach und Klient bleibt dabei zu jedem Zeitpunkt eine Beziehung auf Augenhöhe, bei der der Klient selbst tätig wird und für das Ergebnis verantwortlich bleibt.

Der Coach als Begleiter trägt dabei die Prozessverantwortung und vertraut während des gesamten Coachingprozesses auf die Ressourcen und Fähigkeiten, die der Coachee mitbringt. Diese manchmal verschütteten Schätze zu heben und zu aktivieren, ist Ziel der behutsam führenden Begleitung, die der Coach bieten kann.

Schiffbau und Führung

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Zieldefinition, Ressourcenaktivierung und der beherzte und vertrauensvolle Schritt zur Tat aus dem gefällten Baum ein Schiff werden lässt. Eine gute Führung erlaubt dem Geführten, sich selbst über sein Ziel bewusst zu werden und den individuell für ihn passenden Weg zum Ziel einzuschlagen. Stärkt er ihn dabei und setzt sein Vertrauen in ihn, so steigert er gleichzeitig das eigene Selbstvertrauen des Geführten in die eigenen Fähigkeiten. Ebendies ist der von Carl Ludwig Schleich gepriesene „Freibrief zum Leben“.

In diesem Sinne,

Ihre Tina

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TINAs ART&weise lädt Sie ein, dies gemeinsam in einer inspirierenden Mittagspause durchzuführen!

Anmeldung zur Mittagspause am Donnerstag, den 29.09.2022 von 12.00-12.30 Uhr hier.

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Quellen

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