09.05.2022

Interview: Anne Ruppert

CLP interviewt seit Jahren Kolleginnen und Kollegen aus sehr unterschiedlichen Bereichen der Rechtsbranche zu ihrem beruflichen Weg zum Erfolg. Einige von ihnen waren bereit, ihr ganz persönliches Erfolgsgeheimnis zu verraten: sie coachen!

Die CLP - Interviewreihe geht in die vierte Runde: Diesmal kommen wieder zehn JuristInnen zu Wort, die coachen - Legal Coaches, die aus sehr unterschiedlichen Gründen sich Zusatzkompetenzen mit einer professionellen Coachingausbildung erworben haben. 

CLP hat diese Legal Coaches in sehr unterschiedlichen Positionen dazu befragt, was sie dazu bewogen hat und wie Coaching ihre berufliche Laufbahn maßgeblich beeinflusst hat:

Darf ich Sie bitten, sich zunächst selbst vorzustellen?

Nach meinem zweiten Staatsexamen startete ich als Prüfungsassistentin und Rechtsanwältin bei einer großen internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, später war ich viele Jahre Inhaberin meiner eigenen Rechtsanwaltskanzlei.

Dabei ist mir ein Faktor immer wieder klar geworden: Dort wo Menschen miteinander zu tun haben, geht es so gut wie nie nur um versachlichte Zusammenhänge, sondern auch immer um das menschliche Miteinander. Das gilt für die Streitigkeiten, mit denen wir in den Akten konfrontiert werden, es gilt für die Mandantenbeziehung und es gilt auch für die Rechtsanwält*innen selbst. Die juristische Lösungsfindung kann immer nur ein Teil der Lösung sein und ich wollte mehr bieten können.

Ich habe mich daher 2010 entschieden, auf meine Mediationsausbildung aus Zeiten des Referendariats noch eine zweijährige systemische Coachingausbildung (juristische Fakultät der Fernuniversität Hagen) aufzusetzen.

Seit 2013 widme ich mich hauptberuflich dem Coaching – mein Spezialgebiet ist die Burn-Out-Prophylaxe und meine Hauptzielgruppe sind Jurist*innen. Im Laufe der Jahre habe ich auch Führungskräfte aus anderen Branchen gecoacht. Die juristische Branche liegt mir aber besonders am Herzen – weiß ich doch aus eigener Anschauung, wie kräftezehrend unser Beruf sein kann.

Selbstverständlich lege ich Wert darauf, mit wissenschaftlich fundierter Methodik (z. B. ACT) zu arbeiten und bilde mich regelmäßig fort – zuletzt habe ich eine umfangreiche Erweiterung meines Werkzeugkoffers durch den einjährigen Zertifikatslehrgang „Begleiter*in Waldprävention“ (Universitätsmedizin Rostock in Kooperation mit dem Forstamt Mecklenburg-Vorpommern) erworben.

Ich arbeite heute nur noch nebenberuflich als Rechtsanwältin und übernehme nur dann ein Mandat, wenn es einen für mich wichtigen, wertebasierten Grund gibt, tätig zu werden. Ich arbeite daneben viel ehrenamtlich und engagiere ich mich in der Fridays For Future-Bewegung, habe Germanzero e. V. bei der Entwicklung deren 1,5-Grad-Gesetzespakets unterstützt, koordiniere das Legalteam des GAanF e. V., um Ukraineflüchtenden aller Länder rechtliche Orientierung zu geben und bin seit 2019 Mentorin für Frauen im Mentoringprogramm „Aufstieg in Unternehmen“.

1. Wann haben Sie sich zum ersten Mal mit Coaching beschäftigt und warum?

2002, im Rahmen meiner Weiterbildung zur Mediatorin in meiner Referendariatszeit, wurden uns auch Coachingtechniken vermittelt. Hier bekam ich erstmals Kontakt zu dem Berufsstand im juristischen Kontext. Damals war das Coaching aber noch ein absolutes Randphänomen und mich faszinierte das Thema, aber ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal hauptberuflich betreiben würde.

2. Was hat Sie daran besonders fasziniert?

Coaching befreit, denn es erweitert den Horizont von Menschen. Die Tatsache, dass ich meine eigenen Gedanken, Gefühle und Bewertungen gezielt beeinflussen kann, gibt mir völlig neue Möglichkeiten, mein Leben aktiv und selbstbestimmt zu gestalten.

Ich habe durch das Coaching gelernt, wie unterschiedlich Entscheidungsgründe sein können und es fasziniert mich noch heute jedes Mal aufs Neue, in meinen Coachings Einblicke in die Denkweise und Entscheidungsfindungen meiner Teilnehmer*innen zu haben. Wie unterschiedlich die Bedürfnisse von Menschen sein können und wie vielfältig Menschen sind, begeistert mich einfach.

3. Wie setzen Sie Coaching heute in Ihrer beruflichen Situation ein?

Grundlage meiner Arbeit ist meine tiefe Überzeugung, nicht besser zu wissen, was gut für meines Coachees ist, sondern lediglich ein paar Techniken zu kennen, die es ihnen erleichtern oder sogar erst ermöglichen, die für sich richtige Entscheidung zu treffen und umzusetzen.

Natürlich setze ich bestimmte Coachingmethodik bei bestimmten Problemstellungen meiner Coachingteilnehmer*innen ein. Beispielsweise kann man sich mittels Coachings hervorragend auf Verhandlungen vorbereiten oder sich selbst in eine bestimmte notwendige Haltung begeben. Durch Coachingmethodik kann ich Angst oder Unsicherheit begegnen und ich kann meine psychische Resilienz nachhaltig steigern. Ich kann die Beziehung zu meinem beruflichen und sozialen Umfeld verbessern u. v. m.

Die Verinnerlichung der hinter der einzelnen Methodik liegenden Grundsätze hat zusätzlich Einfluss auf das gesamte Leben – gleich ob es der berufliche oder der private Teil ist. Ich kann flexibler auf Änderungen und Widerstände im Leben reagieren. Ich versuche, meinen Teilnehmer*innen daher nicht nur einzelne Methodik zu zeigen, sondern ihnen die Grundlagen zu vermitteln, damit sie über das spezifische Coachingthema hinaus einen Mehrwert aus meinem Coaching mitnehmen.

4. Was hat sich für Sie nach Ihrer Coachingausbildung in Ihrer juristischen Tätigkeit verändert?

Ich habe ein größeres Verständnis für die Reaktionen von Menschen entwickelt. Das hat den Vorteil, dass das Verhalten von Menschen berechenbarer geworden ist. Und es führt dazu, dass ich meine eigene Person besser abgrenzen kann. Ich bin durch das bessere Verständnis sehr viel toleranter geworden und weniger leicht zu frustrieren. Das hat massiven Einfluss auf meinen Erfolg bei Vertragsverhandlungen und auf die Mandatsbeziehungen.

Ihr persönliches Fazit:

Ich bin heute glücklicher denn je zuvor – das habe ich zu großen Teilen meiner Coachingausbildung zu verdanken. So hilfreiche Fähigkeiten in meinem Beruf an andere weitergeben zu können, macht mich sehr zufrieden.

Vielen herzlichen Dank. 

Freuen Sie sich auf weitere Legal Coaches und lassen Sie sich inspirieren!

Weitere Interviews finden Sie hier.

Mehr zu Anne Ruppert finden Sie hier: Mein Ding Coaching

Informieren Sie sich hier über die Legal Coaching Ausbildung bei CLP und das Programm 2022 sowie die offene Seminarreihe zu Legal Coaching für alle Interessierten (ideal, um von dort in die Ausbildung zu starten)

Achtung: Die Anmeldung für den nächsten Ausbildungskurs ab November 2022 ist bereits eröffnet!

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