24.05.2020

Interview: Anika Seidenfaden, Coach für Female Leadership/vorher Corporate Legal Counsel Xing

Die CLP - Interviewreihe geht in die zweite Runde: Nach dem erfolgreichen Auftakt mit über zehn Experten aus der Rechtsbranche, die ihre ganz persönlichen Erfolgstipps für eine erfolgreiche juristische Karriere verraten haben, werden diesmal zehn Juristen zu Wort kommen, die coachen - Legal Coaches, die aus sehr unterschiedlichen Gründen sich Zusatzkompetenzen mit einer professionellen Coachingausbildung erworben haben.

CLP hat diese Legal Coaches in sehr unterschiedlichen Positionen dazu befragt, was sie dazu bewogen hat und wie Coaching ihre berufliche Laufbahn maßgeblich beeinflusst hat. 

Frau Seidenfaden, dürfen wir Sie bitten, sich kurz selbst vorzustellen?

Gern: Nach meinem Studium in Münster und Stationen in Paris und New York, habe ich am Anfang meiner Karriere gute 5 Jahre in einer international tätigen Großkanzlei (Dentons, damals noch Salans LLP) im Bereich Private Equity/M&A gearbeitet. Nach zwei Inhouse-Stationen (unter anderem als Corporate Counsel bei XING, jetzt NewWork SE) habe ich mich 2018 als Anwältin und Coach selbständig gemacht und berate aktuell Mittelstandsunternehmen im Bereich Corporate/Commercial.

Im Rahmen meines Leadership Coaching Programms unterstütze ich Juristinnen darin, ihre Talente und Fähigkeiten optimal und gewinnbringend für ihren Erfolg einzusetzen.

Ich lebe zurzeit in Hamburg. Das Thema Persönliche Weiterentwicklung beschäftigt mich ständig, daneben reise ich viel und freue mich unglaublich auf meinen Hund, der ab Juni mein Leben durcheinander wirbeln wird. 

1. Wann haben Sie sich zum ersten Mal mit Coaching beschäftigt und warum? Haben Sie Coaching als Klient kennengelernt?

Coaching habe ich das erste Mal als Klient kennengelernt als ich über meine eigene berufliche Weiterentwicklung nachgedacht habe. Im Rahmen des Coachings ist für mich sehr deutlich geworden, dass ich gerne selbständig wäre.

Eine Erkenntnis, die mich damals zutiefst überrascht hat. Am Ende hat es noch ein wenig gedauert, bis ich den Schritt gewagt habe, bin aber heute jeden Tag froh darüber.

Für mich persönlich ist diese Geschichte ein weiterer Beweis dafür, dass wir oft meinen uns zu kennen, weil wir durchaus selbstreflektiert sind und trotzdem kann ein Coaching den Blickwinkel völlig verändern und eine Perspektive geben, die man so vorher nicht für sich gesehen hat.

2. Was hat Sie daran besonders fasziniert? Worin sehen Sie gerade für Juristen den Mehrwert beim Coaching?

Die besondere Faszination und Bedeutung von Coaching liegt für mich - wie bei meiner persönlichen Geschichte - zum einen darin, dass wir oft einen Tunnelblick haben und Pläne machen bzw. uns Ziele setzen, die primär auf unseren bisherigen Erfahrungen resultieren. Das kann dazu führen, dass wir Pläne verfolgen, die nicht 100% uns entsprechen. Da kann ein geschulter Blick von außen helfen.

Coaching ist für mich die Möglichkeit bei meinen Klienten das Potential zu heben das bereits da ist, meine Klientinnen aber oft nicht sehen oder aus unterschiedlichsten Gründen nicht mehr sehen können. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass wir oft nur einen Bruchteil unserer Fähigkeiten und Talente gewinnbringend für uns und unser Team einsetzen und dass wenn wir (wieder) im Einklang mit unseren Werten, Talenten und Fähigkeiten sind, unglaubliche Dinge passieren können.

Diese Erfolgsgeschichten sind für mich der schönste Teil meiner Coaching Arbeit.

Für Juristen sehe ich zwei Vorteile:

Zum einen als Coachee, denn Juristen arbeiten im Regelfall in einem anspruchsvollen Umfeld mit vielen Herausforderungen. Ein Coaching kann hier helfen von innen heraus zu agieren anstatt primär auf Anforderungen im außen zu reagieren. Mein Leadership Coaching Programm zielt dabei insbesondere darauf ab, durch das Erkennen der eigenen Fähigkeiten und Talente, aber auch der sabotierenden Verhaltensmuster mit Ruhe, Stärke und Selbstvertrauen zu agieren, was von Führungspersönlichkeiten erwartet wird und gerade in der aktuellen Zeit immer wichtiger wird. Und nicht zuletzt hat das Coaching der eigenen Person auch immer einen positiven Einfluss auf mein Team und die Leute, mit denen ich zusammenarbeite.

Zum anderen sehe ich auch für die Arbeit als Jurist einen unschätzbaren Vorteil darin, zusätzlich eine Coaching-Ausbildung zu haben. Unser Arbeiten wird sich verändern und die reine juristische Expertise wird in Zukunft nicht mehr ausreichen, um sich von der Masse an Juristen abzuheben. Gefragt sein werden echte Berater und um hier die Bedürfnisse der Mandanten zu erkennen und bedienen zu können, ist eine Coaching Ausbildung extrem wertvoll. Juristische Expertise findet man viel, aber das was Mandanten erwarten und sie bindet, ist der persönliche Bezug.  Wenn man es als Jurist hier schafft, mit Kompetenz und Expertise ein Partner auf Augenhöhe zu sein, der insbesondere in schwierigen Situationen mehr bietet als reines Wissen, dem stehen nach meiner Ansicht alle Türen offen um von Mandaten sehr geschätzt zu werden und damit auch sehr erfolgreich zu sein. 

3. Wie setzen Sie Coaching heute in ihrer beruflichen und/oder privaten Situation ein? Wie und in welchem Umfang wird aus Ihrer Erfahrung Coaching heute bei Juristen eingesetzt?

Ich setze meine Coaching Expertise in vielfacher Hinsicht ein. Zum einen natürlich bei meiner Arbeit als Coach mit meinen Klienten und im Rahmen meines Leadership Coaching Programms.

Darüber hinaus merke ich immer wieder, dass ich meine Coaching Fähigkeiten in der Akquise, auf Networking Veranstaltungen und auch in anspruchsvollen Verhandlungssituationen gewinnbringend einsetzen kann.

Gerade wenn es darum geht unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen ist das Coaching von unschätzbarem Wert und ich glaube wie gesagt, dass das der Mehrwert eines guten Juristen ist und nicht allein die inhaltlich korrekte Beratung. Leider wird dieser Aspekt in unserer Ausbildung komplett vernachlässigt.

4. Ihr ganz persönlicher Erfolgstipp:

Gute Frage, für mich persönlich sind drei Dinge entscheidend:

Erstens Klarheit über die eigenen Ziele, denn ohne konkretes Ziel kann es keinen Erfolg geben, egal wie sehr man sich anstrengt. Ich mag in diesem Zusammenhang das Bild von der Leiter, die man hochklettert, nur um am Ende festzustellen, dass die Leiter an der falschen Wand lehnt. Das ist dramatisch und muss nicht sein.

Zweitens glaube ich, dass das eigene Selbstkonzept extrem wichtig ist. Jede Ausbildung, Talent und Expertise sind wertlos, wenn ich nicht in der Lage bin diese Dinge für mich gewinnbringend einzusetzen. Wir überschätzen nach meiner Ansicht oft externe Qualifikationen und unterschätzen, wie wichtig unser Selbstkonzept ist, also das was wir uns zutrauen und für möglich halten. Auch hier kann Coaching nach meiner Erfahrung einen erheblichen Unterschied machen.

Drittens bin ich davon überzeugt, dass die Art und Weise, wie wir in den Tag starten entscheidend ist. Statt als erstes am Morgen Nachrichten und Mails zu lesen, hat es nachweislich einen positiven Einfluss auf unseren Erfolg, wenn wir den Tag mit einem Moment der Stille und einer klaren Intention beginnen. Für mich persönlich war das ein absoluter Game-Changer und zwar gerade in den Zeiten in denen ich dachte, ich hätte ohnehin schon zu wenig Zeit.

Nehmen Sie gerne über Linkedin Kontakt mit mir auf, ich freue mich über ihre Nachricht.  

Vielen herzlichen Dank.

Lesen Sie hier die gesamte Interviewreihe inklusive der ersten Runde.

Lernen Sie hier weitere zehn Legal Coaches aus dem internationalen Umfeld kennen.

Hier geht´s zur Legal Coaching Ausbildung der CLP-Academy.

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